20 Minuten iPhone laden für anderthalb Stunden LOSE YOURSELF

Vor ungefähr zwei Wochen, kurz bevor Mara kam, entdeckte ich das Ethiad-Stadium für mich. Es ist ein Fußballstadion nur wenige Minuten Laufzeit von meinem Hostel entfernt und begeisterte mich durch seine moderne Architektur und windstillen Ecken, die sich außerordentlich gut zum Telefonieren oder Cleveland Show gucken eigneten. Über den einzelnen Eingängen befanden sich rote Leuchtreklamen, die bevorstehende Veranstaltungen und die Mitgliedskarte des Fußballvereins beworben.
Sechs große Buchstaben gewannen meine Aufmerksamkeit: E M I N E M.
Und es wurde noch besser! Es folgten Kendrick Lamar (!) und Action Bronson + J. Cole & 360, aber die letzten zwei waren ehr uninteressant. Noch ein schneller Blick aufs Datum und ein breites Grinsen der Vorfreude breitete sich auf meinem Gesicht aus. Am 19. Februar würde ich sicher noch hier sein, passt!

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Auf dem Weg zurück zum Hostel prüfte ich den Preis und die Verfügbarkeit der Plätze – $100, bzw. $150 für vermutlich bessere Plätze. Einhundert Dollar sollten genügen, dass wäre es wert gewesen für die drei Acts. Karten gab es auch noch. Super!
Später musste ich dann allerdings feststellen, dass es nur noch die $150er Karten gab und die sogenannten „Best Available“-Tickets waren eine Umschreibung für ›nur noch die letzen 2 Reihen sind frei‹. Mein durch Schwärmen vor Mara noch ein bisschen breiter gezogenes Grinsen erlosch kurz danach und ich beschloss mir doch keine Karte zu kaufen, da die letzten beiden Reihen die gleiche Sicht boten, die ich auch von Außerhalb durch die Gitter hätte erhaschen können.

Als Mara endlich ankam, beschlossen wir uns einen gemütlichen Abend vor dem Stadion zu machen, ein bisschen Atmosphäre aufzusaugen und zu picknicken.
Gestern Abend war es dann endlich so weit. Mara kochte Reis, ich besorgte Fisch, Paprika, Avocado und Algen. Wir rollten unsere Sushirollen, packten diese ein und zogen uns noch einmal trockene Sachen plus Regenjacke an. Da der Akku vom Telefon schon recht leer war und ich wenigstens ein bisschen twittern wollte, steckte ich meine mobile Ldestation in die Tasche. Mit dem Handy in der wasserdichte Hülle, dem Akku in eine Plastiktüte und Mara samt Reisschüsseln unterm Arm, ging es dann endlich los. Laut Zeitplan sollte J. Cole gerade fertig werden und Kendrick sich auf seinen Schlagabtausch vorbereiten.

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Nach dem wir uns auf die Stufen eines nahegelegenen Gebäudes setzten und uns über eine kleine perfekt gerollte Sushirolle freuten, wurde ich etwas traurig. Ich zog los, um das Stadion zu umrunden, aber bis auf den Bass drang nicht viel von der Musik zu uns nach draußen. Meine Ausrede, die Karten nicht zu kaufen, funktionierte auch nicht mehr, da die Veranstalter die besagten Gitter umzäunten und Dixi-Klos davor platzierten.

Das Herumstreifen half leider nichts, es gab nirgends ein Mauerloch, durch das man spähen konnte, also ging ich wieder zurück zu Mara, die immer noch geduldig und aufmunternd  auf den Treppenstufen wartete. Ein paar Minuten später kam ein junger Mann auf uns zu und fragte etwas verzweifelt, ob er unser Telefon nutzen dürfe, um seine Freundin auf Facebook zu kontaktieren, sodass sie ihn abholen kann. Da wir beide schon mal in einer ähnlichen Situation waren (Wir verpassten die letzte Bahn nachhause und saßen am Ostkreuz fest, kannten jedoch einige Freunde die in der Nähe wohnten, die wir jedoch ohne Handy nicht erreichen konnten. Wir fragten mehre Personen, die uns unterstellten, dass wir ihr Telefon stehlen wollten..naja, so verbrachten wir die nacht am Ostbahnhof mit leeren Telefonen), wollten wir es besser machen und aushelfen. Dem Himmel sei dank, hatte ich ja mein portables Aufladegerät dabei und konnte es dem verzweifelten iPhonebesitzer reichen. Dieser war so glücklich, dass er uns 20 Dollar aus dank geben wollte. Auf der Suche nach dem nächsten Bankautomaten liefen wir an vielen schlecht gelaunten Menschen vorbei, die unsere Anfrage nach dem nächsten ATM ignorierten und mit finsterer Miene weiterliefen. Shayne, so hieß der Gute, war das alles egal, er war so glücklich, dass er Hilfe bekommen hatte. Er lobpreiste uns den gesamten Weg als Awesome-Germans, Heros und Legends. Er drückte uns immer wieder überschwänglich, und prüfte irgendwann seine Taschen und zog ein Ticket für EMINEM heraus und gab es mir. Er sagte ich kann es haben, es sei noch gültig. In mir entfachte ein Feuer der Begeisterung, ich konnte es einfach nicht fassen! Mara musste mich auf dem Weg sogar daran erinnern, mich auch mal zu bedanken, da ich das vor lauter Freude irgendwie vergessen hatte. Am Geldautomaten angekommen, konnte er seinen Anruf tätigen und hatte noch genügend Akku, um ein weiteres Mal anzurufen.

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Wir verabschiedeten uns, er gab fremden Menschen noch ein paar Freuden-High-Fives und verschwand. Da standen wir nun mit dem Ticket und der Frage, ob es noch funktioniert, nicht dass es nach einmaliger Benutzung nicht mehr erlaubt ist in Stadion zu kommen. Ein Blick auf die Uhr erinnerte mich, dass Kendrick gleich aufhören sollte zu spielen, so verabschiedete ich mich von Mara, da es leider nur ein Ticket gab, brachte sie noch ein Stückchen zurück und schickte sie mit einem pinken Regenschirm heim.

Plötzlich lösten sich meine Zweifel der Gültigkeit wegen und mich durchzuckten quallenartige Freudenbewegungen. Schnell rannte ich zum Eingang scannte mein Ticket …..und die Lampe leuchtete grün. YES! Ich war drinnen!
Ohne auf das Ticket zugucken, wo ich denn sitzen würde, ging ich einfach zu den teureren Stehplätzen und wurde zu meiner Überraschung gar nicht aufgehalten, sondern nur freundlich darauf hingewiesen, dass ich doch bitte nach draußen gehen solle, um mir mein Armband abzuholen, damit ich mein Ticket nicht immer zeigen muss. Diesen Typen zu finden, der mir das Bändchen aushändigte war schon etwas schwieriger. Aber ich hab ihn gefunden und stand dann wenige Augenblicke später in der Mitte vom RAPTURE14.

Da ich nicht darauf vorbereitet war, dort zustehen, wo ich dann die nächsten 2 Stunden stehen sollte, war ich dem zufolge schlecht gekleidet. Kein Kettchen, kein Cap und Regenjacke. Es gibt freshere Outfits für ein Rapkonzert. Aber egal! Wichtig war ja jetzt eh der weiße Vorhang vor der Bühne, der Punkt 9.15 PM mit dem EMINEM Schriftzug angestrahlt wurde. Ein paar Stunden zuvor twitterte der Veranstalter, dass man Eminem gegen viertel 10 erwartet.
Auch ohne Daytona, Submarina oder Navitimer am Handgelenk hatte es Junge aus Detroit geschafft seine Show überpünktlich zu beginnen. Hatte ich zuvor von keinem anderen Musiker geboten bekommen. Konzertbeginn ohne Verspätung. Tolles Ding.

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Ein paar viele Meter von mir entfernt stand er und sah so aus wie am Anfang seiner Karriere. Als würde er noch immer in Detroits Trailerparks leben und die unauffällig braunen Nikes gerade einem Kid aus der Nachbarschaft abgezogen haben. Einziges BlingBling war ein dezentes Silberkettchen, das aus dem schwarzen Hoddie hervorlugte. Kein Versage, kein Prada, kein Gucci. Einfach nur eine Portion Straße auf der Bühne, die es verstand sich mit der Crowd zu unterhalten und deren Arme mit einer angenehmen Mischung aus neuen und sehr vielen alten Klassikern oben zu halten. Obwohl ich meiner Meinung nach einen recht guten Platz hatte, war Eminem so winzig, dass die Videoleinwände links und rechts neben der Bühne unerlässlich gewesen sind. Unglaublich wie mikroskopisch klein er von der letzten Reihe aus gewesen sein muss, aber das, das ist ein Problem mit dem ich mich dank Shayne nicht auseinander setzen musste.

Irgendwie witzig, dass mir Eminem immer wieder sagen musste, wo ich bin: in Melbourne, verdammt noch mal Australien! Man realisiert das irgendwann nicht mehr so oft, da ist es recht hilfreich, dies ab und an noch mal gesagt zu bekommen.
Am Ende des Abends war ich gar nicht mal so traurig, dass ich Kendrick Lamar nicht mehr gesehen habe, sonder einfach nur unglaublich erfreut, dass mich das Glück an diesem Abend geküsst hatte und ich im Hostel dieses mit Mara teilen konnte.

Danke Shayne W.
Wirklich, vielen vielen Dank.

Melbourne make some motherfucking noise for yourself!
-Eminem, Melbourne 2014

Arrrrrrgghhhhhhh!!!!!!
-Daniel, Melbourne 2014

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Ein Gedanke zu “20 Minuten iPhone laden für anderthalb Stunden LOSE YOURSELF

  1. Yo homeboy, freu mich immer wenn’s was neues von dir zu lesen gibt, fetten respekt dass du dein ding da drüber so durchziehst und trotz allem fresh wie eh und je bleibst!

    Freu mich drauf wieder mit dir den geschmeidigen klängen von kiz zu lauschen und leckere neue pfannkuchen-rezepte zu erfinden wenn du von deinem abenteuer zurück bist

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