Ich lebe noch

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Hallo mein Name ist Daniel und ich lebe seit einem Monat in Australien. Ich habe mir vorgenommen viel zu bloggen und zu schreiben, das Photographieren und die Bilder dann teilen war mir glaube ich auch ganz wichtig. Doch leider schiebe ich das alles vor mir her und erfinde Ausreden.

Heute habe ich mir Pfandkuchen gemacht und nahm mir vor diese während des Bloggens zu essen, ich habe mich quasi mit den Pfandkuchen zum Bloggen geködert. Leider versank ich dann wie die letzten Male in einer Spirale aus „das Album höre ich noch zuende“, „jetzt ist grad doof mit bloggen“, „wenn andere im Raum sind kann ich nicht“, „wartet auf mich, ich komm gleich nach“ und Chatten (sagt man das heute überhaupt noch?). Kurzum, heute ist wie immer, doch heute ist auch der letzte Tag in Perth, das heißt heute muss ich schreiben! Also rann an die Tasten, es müssen die letzten Tage resümiert werden, damit nichts an noch-zu-bloggen-Ballast herum geschleppt werden muss.

Die ersten Wochen nach dem letzten Post waren mitunter noch sehr produktive. Das Bewerben und kämpfen um einen Job ging weiter. Ich zog zusammen mit Til und zwei weiteren Freunden aus dem Hostel weiter von Baustelle zu Baustelle der Stadt und fragte nach einem Job. Fast immer wurde ich vertröstet und abgelehnt, nur ein Mal durfte ich meine Telefonnummer an eine Wand schreiben oder wurde beauftragt in 2 Wochen noch ein mal wiederzukommen. Ich kam wieder, wurde aber erneut auf 2 Wochen vertröstet und durfte meine Nummer auf einen Zettel kritzeln. Beide Bauleiter meldeten sich bis heute leider nicht zurück, auch von diversen anderen Geschäften und Photographen gab es nicht einmal eine Absage.
Nur ein Mal bekam ich eine E-Mail von einer Firma, die mich zu einem Vorstellungsgespräch einlud. Ich musste erst eine Weile überlegen und suchen, um herauszufinden, wer mich da sprechen wollte. Es waren zu viele Bewerbungen und CV’s die verschickt wurden, als dass ich es ohne Recherche zuordnen konnte. Als ich dann wusste, auf welche Bewerbung sich jemand meldete, wusste ich immer noch nicht, mit wem ich da genau schrieb und was mein zukünftiges Tätigkeitsfeld werden würde. Irgendwann guckte ich nicht mehr für was ich mich bewarb, ich wollte nur noch arbeiten und bemerkte gar nicht, dass bei der Annonce für einen interessanten und aufregenden Job ohne Vorkenntnisse gar keine Firma, Arbeitgeber oder Tätigkeit genannt wurde. Nach ein paar E-Mails mit Rekrutierungsdame erschien ein Briefkopf den ich googlete. Es handelte sich um ein Unternehmen, das im Bereich Sales & Marketing aktiv ist. Bekannte Klienten sind Oxfarm, WWF, Telefox und ähnliche Organisationen/Firmen.
Am nächsten Tag stand ich etwas früher auf, machte mich auf den Weg zu einem Herrenaustatter und miete mir ein paar Anzugsschuhe (in der letzten E-Mail wurde um professionelles Erscheinen gebeten). Daraufhin ging es dann ins Outlet durch viele viele Geschäfte immer auf der Suche nach einem günstigen schwarzen Hemd. Fast alle saßen schlecht, hatten Streifen, Glitzer oder Strass oder waren schlicht weg zu teuer. Irgendwann fand ich eins, mit dem ich gut leben konnte. Nachdem Einkaufen wurden die wichtigsten Dokumente noch einmal kopiert und in Folie gehäftet, dann gings auch schon los.

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Es war unangenehm heiß, ich hatte große Mühen langsam zu laufen, sodass ich nicht anfing zu schwitzen und kämpfte gegen den Wind, der meine perfekt gestylten Haare zuzerwühlen drohte. Zwischendurch musste ich in einem Park einen längere Rast einlegen, da ich sonst peinlich zu frühgekommen wäre. Ich hatte das Gefühl, wenn ich fast anderthalb Stunden zu früh komme, hätte das Unternehmen vielleicht denken können, ich wüsste nicht wann der Termin war. Die Zeit auf der Bank nutzte ich, um ein paar Sätze über mich und meine Ziele zu formulieren. Mit dem Zurechtlegen der Antworten auf mögliche Fragen, begann ich langsam aufgeregt zu werden. Ich beschloss weiter zu gehen und lief wie jemand, der Rasierklingen unter dem Arm hat. Die Leute mussten denken ich hatte einen Knall. Aber es nützte nichts, ich wollte auf keinen Fall Schweißränder durch Nervosität oder die Mittagshitze bekommen. 20 Minuten Türsteher-Catwalk später fand ich die richtige Adresse und versteckte mich hinter der Fassade. Ich war eine viertel Stunde zu früh und versuchte die Zeit mit der Einstudierung meines Textes tot zu schlagen. Nach dem ich mein Spiegelbild in der Scheibe erblickte, stellte ich fest, dass ich den Kampf gegen den Wind verloren hatte. Meine Haare sahen aus wie ein zerrupftes Kissen, das darauf warteten mit ein wenig Spucke wieder in die richtige Richtung gelegt zu werden. Irgendwann betrat ich dann nach preußischer Tugend aufs Pünktlichste das Foyer der Firma und bekam den Termin meines Vordermannes. Dieser kam zu spät, vermutlich wurde ihm deswegen kein Wasser angeboten, der Junge sagte nicht mal Guten Tag. Die Chefin empfing mich fröhlich und freute sich auf mich und begann mit ein wenig Smalltalk. Leider kamen wir nicht darüberhinaus, da ich das Vorstellungsgespräch recht bald abbrach, nach dem es begonnen hatte. Grund dafür war die Mindestvertragszeit von drei Monaten. Ich wollte nicht so lange an einem Ort bleiben und hätte dann weitere Pläne gar nicht umsetzten können, also plauderten wir noch ein bisschen weiter und verabschiedeten uns mit dem Tipp, ich solle es doch in Margaret River probieren.

In den darauf folgenden Tagen optimierte ich weiter meinen Lebenslauf und ging zu verschiedenen Jobagenturen und probierte dort mein Glück. Die größte Hoffnung war ein Bauer, der seine Farm 300 Km von hier entfernte hatte und freie Verpflegung und Unterkunft mit einem guten Gehalt anbot. Ich versuchte ihn eine Woche lang anzurufen, er ging nie ran, ich sprach ihm mehrmals auf die Mailbox, am Ende drückte er mich sogar weg. Später riefen wir von Tilmans Handy aus an, und der Bauer ging ans Telefon und teilte uns mit, dass die Frist abgelaufen sei – Danke Herr Farmer, währen sie mal ans Telefon gegangen. Später beschlossen wir ein Auto zu kaufen und nach Margaret River zufahren. Wir suchten nach jemanden, der uns sein Auto verkaufen wollte und setzten einen Abreisetermin fest. Ralph, ein Angestellter des Hostels und Freund von uns, möchte uns begleiten.

Bitte entschuldigt den recht eintönigen Artikel, doch versteht, dass dieser unterfolgendem umstand entstanden ist: Ich liege in einem dunklen Zimmer und sehe die Tasten nicht. Über mir liegt jemand, der sehr laut schnarcht und rechts von mir jemand mit einen absträngenden Schnappatmung und Schmatzen während des Schlafens. Wer mich kennt, weiß wie empfindlich ich auf solche Geräusche bin und das es einen Grund gibt, warum ich keine Musik beim Schreiben höre: ich benötige Ruhe, um mich zu konzentrieren.

Vor der Verabschiedung noch ein Teaser:
_____________________
Aller Wahrscheinlichkeit werde ich diesen Artikel noch etwas ausarbeiten und ein paar Dinge hinzufügen, bzw. Beiträge im Text verlinken, die ich noch publizieren muss (Restaurant, Rottnestisland, Autokauf), außerdem bekam ich viele Nachfragen bezüglich Luisa. Die Frage möchte ich gern in der überarbeiteten Version beantworten.

Gute Nacht, bis bald

Dani

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3 Gedanken zu “Ich lebe noch

  1. Ich habe meine pausenlektüre mal wieder gut gewählt. An den stellen: rasierklingen unter den Armen und Türsteher-Catwalk wäre ich beinahe am verschlucken meiner Nudeln gestorben.

    Das Bild erinnert mich ziemlich an dein facharbeitspresentations-Auftritt. Nostalgie.

    Ps: was hast du gegen Glitzer?

    • Ich habe gar nichts gegen Glitzer! Im Gegenteil, Feeenstaub und Kometenglitzer sind sogar sehr schön, aber ein Glitzerhemd erschien mir recht unprofessionell 🙂
      Danke fürs Feedback.

  2. Hallo Dani,
    alles nicht so einfach! Viel Glück bei deinem 1. Arbeitstag.! Bei Mara ist ja auch etwas tote Hose.
    Grüße von Lena, Anke und Conni

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