Eigentlich wollten wir ein Auto kaufen

Der erste Teil der vergangen Woche (3.-9. März) wurde durch die Suche nach einem Auto bestimmt. Unsere Kriterien sahen dabei wie folgt aus:

  1. Es sollte für den schmalen Taler zu bekommen sein
  2. Klimaanlage ist bei den australischen Temperaturen ein Muss
  3. Die Registrierung sollte noch mindestens eine Woche lang nach dem Kauf bestehen
  4. Und das Übliche eben – kein Unfallwagen, kein Leck im Motorraum, nichts großes zum Rumbasteln, …

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Wir schrieben mehrere Privatpersonen an, die ihr Auto oder das eines Freundes / ihres Vaters loswerden wollten. Während der Recherche erweiterten wir unser Wissen über das Verkehrswesen und ich stellt Unterschiede zwischen den verschiedenen Bundesstaaten fest. Um ein Auto legal auf der Straße fahren zu dürfen benötigt man eine Registrierung, die jedes Jahr, bzw. alle 9 Monate verlängert werden muss. Die Registrierung beinhaltet über die Zulassung hinaus eine Grundversicherung des Fahrzeuges und kann/muss je nach Bundesstaat online, via Smartphone-App oder Prüfungsstelle erworben werden. Zusätzlich benötigt man in Victoria (der Bundesstaat, in dem ich mich momentan mit Mara befinde) ein so genanntes RWC. Das war neu für uns und bedurfte zu erst eine gewisse Recherche, eh wir verstanden, was es ist, wo für wir es haben müssen und warum viele Verkäufer kein RoadWorthy Certificate mit verkaufen, denn dieses Zertifikat gab es in Western Australia, wo ich mit Til den Ford Falcon kaufte, nicht.

Das RWC ist ein rosa Zettel, der aussagt, dass das Fahrzeug straßentauglich ist, also vier Räder und eine Bremse besitzt … und noch ein paar andere „Kleinigkeiten“ erfüllt. Wenn man im Besitz eines gültigen RWCs ist, dann kann man die Registrierung online verlängern oder gegebenenfalls neu beantragen. Letzteres ist sehr teuer und mit einem hohen bürokratischem Aufwand verbunden, sodass Autos ohne oder mit einer nur noch kurzzeitig bestehenden Registrierung gar nicht in Frage kamen. Unglücklicher Weise ist die Registrierung bei einem Großteil der angebotenen Autos nur 2-5 Tage lang aktiv, wenn nicht meist schon abgelaufen.

Während der Recherche fanden wir einen Ford, dem der Verkäufer¹ als einzigen Makel einen fehlenden Auspuff zugestand und darüber hinaus ein „regas“ der Klimaanlage vorschlug. In seiner Anzeige bot er an, die erwähnten Mängel für $200 zu beseitigen. Würden wir uns selbst um einen neues Auspuff kümmern, würde der Preis bei $1300 liegen. Das beste an dem Auto war die noch bestehende Registrierung bis Oktober. Wir mussten uns also um nichts kümmern und hätten das Auto leichter durch die bestehende Registrierung weiterverkaufen können.
Nach mehrmaligem sorgfältigen lesen der Anzeige kontaktierten wir den Verkäufer und erfuhren, dass das Auto noch verfügbar und eine Testfahrt am nächsten Tag möglich wäre. Im Laufe des Gespräches fanden wir heraus, wo wir denn das Auto probefahren sollten: an der äußersten Ecke der Stadt!
Für uns endete hier die Machbarkeit einer Probefahrt, wir hätten ohne ein eigenes Fahrzeug nicht so weit hinausfahren können. Der Mann lies sich jedoch später von uns versichern, dass die Wahrscheinlichkeit, mit der wir das Auto nehmen sehr hoch sei und erklärte sich bereit uns abzuholen.

Schachspiel - leider verloren

Eine gute Stunde später rief er zurück und sagte, wir können kommen, er sei bereit uns einzusammeln. Da wir die ganze Zeit über aufgeregt am Fenster auf und ab liefen, um die Straße zu observieren, waren wir verwundert – es stand kein Ford vor unserem Hostel, in dem wir noch immer für Unterkunft Betten machten und Klos putzten. Wir stolperten aus dem Gebäude heraus und schauten uns verunsichert um. Plötzlich baute ein Mann Augenkontakt mit mir auf und winkte uns zu sich. Wir begrüßten uns und stiegen in seinen Mietwagen ein.
Es lief Biggie. Sofort sympathisch.
Das Auto, jenes wir eigentlich Probefahren wollten, stand bei ihm Zuhause. Obwohl wir uns prima verstanden und der Smalltalk nicht unangenehm wurde, beschlich mich mit zunehmender Distanz zur Stadt immer mehr ein mulmiges Gefühl, das sich zum Glück in keinster Weise bewahrheitete, weder damals noch heute.

Als wir endlich unser Ziel erreichten wurden wir zunächst äußerlich nicht vom Fahrzeug enttäuscht. Keine Schramme, kein Kratzer, keine Delle. All das macht den Wiederverkauf einfacher. Bevor wir ins Auto stiegen, boten wir ihm an, unsere Reisepässe als Versicherung bei ihm zulassen, sodass er sichergehen konnte, dass wir mit dem Fahrzeug nicht durchbrennen. Er lehnte dankend ab, lachte und entgegnete: „Ich werde euch schon finden.“ Leicht unheimlich.
Der Ford sprang an und wir rollten von der Einfahrt. Soweit wir es beurteilen konnten, lief alles rund, lediglich der fehlende Auspuff sorgte für mächtig Lärm. Zwei, drei Kreisverkehre später fuhr ich links ran, um das Reifenprofil zu prüfen, unter die Motorhaube zu schmulen und mit Mara die Plätze zu tauschen, damit jeder fahren konnte. Leider verabschiedete sich an dieser Stelle das Auto und begann zu streiken. Nach allerhand Versuchen die Karre anzuschmeißen, gaben wir auf und schoben die Schuld auf die Batterie und den Tank. Wir riefen den Verkäufer an und sollten Recht behalten. Nach dem Erwerb eines kleinen Kanisters mit 5L Sprit und Starthilfe rollten wir wieder auf der Straße und konnten unsere kleine Spritztour beenden.

Am Haus angekommen wurden wir eingeladen hereinzukommen und ein bisschen auf der Couch abzuhängen. Getränke wurden uns angeboten und die Chance den Preis um 100 Dollar zudrücken. Sollten wir eine Partie Schach gegen den Verkäufer gewinnen, so sollten wir das Auto günstiger bekommen. Ich willigte ein und schickte Mara vor. Am Ende verloren das Spiel, gewannen jedoch ein eigenes Zimmer. […]

Wie es dazu kam, schreibe ich hoffentlich die Tage noch einmal, es wird sonst zu lang und mir geht ein bisschen die Puste aus.☺︎😉

¹Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich seinen Namen erwähnen darf, darum nenne ich ihn einfach nur Verkäufer oder später auch Gönner.

 

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